Caroline Champetier

Der 14. Bremer Filmpreis geht an die französische Kamerafrau Caroline Champetier.

Warum Caroline Champetier den Bremer Filmpreis 2012 erhält

Ein Kind sitzt im Auto, ein Mädchen. Es mag fünf Jahre alt sein, trotzdem hat es auf dem Beifahrersitz Platz genommen. Die Kamera ist dicht an ihm dran, wie ein Mensch, der auf der Rückbank sitzt und sich vorbeugt, um mit dem Beifahrer zu sprechen. Es ist ein keine aufdringliche Perspektive, eher eine intime, familiäre. Das Kind und der Vater befinden sich in einer schwierigen Situation: Die Mutter ist tödlich verunglückt, der Vater ist kurz davor, dies dem Kind zu sagen, und die Anspannung wird in den Bildern spürbar.

Die Rede ist von einer der ersten Sequenzen aus Jacques Doillons Spielfilm »Ponette« (1996), und die Aufnahmen, die die Kunst beherrschen, mühelos Intimität herstellen, ohne dem Kind zu nahe zu treten, hat Caroline Champetier gemacht, eine 1954 geborene französische Kamerafrau. Ihre besondere Sensibilität, ihr großartiges Verständnis von Bildkomposition, Licht und Kontrast zeichnen sie aus; zudem hat Caroline Champetier mit zahlreichen namhaften Regisseuren zusammengearbeitet, mit Jacques Doillon und Jacques Rivette, mit Jean-Luc Godard und Philippe Garrel, mit Straub/Huillet und Claude Lanzmann, mit Xavier Beauvois und Benoit Jacquot. Sie hat die elaborierte Lichtsetzung und die dazugehörige Farbpalette in Beauvois’ »Von Menschen und Göttern« (2010) geschaffen, sie hat die harten Schwarz-Weiß-Kontraste in »Klassenverhältnisse« (1984), einer Kafka-Adaption von Straub/ Huillet, erforscht, sie bewegt sich im Spielfilm genauso behände wie im Dokumentarfilm, wovon etwa Barbet Schroeders »L’avocat de la terreur« (2007) oder Claude Lanzmanns »Sobibor, 14. Oktober 1943, 16 Uhr« (2001) zeugen. Ohne Caroline Champetier wäre das europäische Kino deutlich ärmer, als es ist.

Die Jury setzt sich zusammen aus Cristina Nord, Filmredakteurin und Dozentin, Filmemacher Pepe Danquart und Dr. Rainer Rother, Filmwissenschaftler und Direktor des Museums für Film und Fernsehen Berlin.

Caroline Champetier mit ihrer Tochter Jeanne La Fonta bei
der Preisverleihung am 19. Januar 2012

Filmographie

Biographie